2020 – das Jahr in dem alles anders kam als geplant. So auch unsere Urlaubsplanung. Nachdem wir bereits im Jahr zuvor in Island waren, haben wir im Winter lange hin und her überlegt, wo wir als nächstes hinreisen wollten. Cora war von Island so begeistert, dass sie am liebsten direkt wieder dort hin wollte. Mir hatte es zwar auch sehr gut gefallen, aber ich wollte dann doch etwas Abwechslung. Am 3. März buchten wir dann schließlich zwei Wochen Südafrika. Alles selbst organisiert, mit dem Auto die Garden Route entlang und zum Abschluss noch in den Krüger-Nationalpark. Die Vorfreude war dann auch schon recht groß.
Eine knappe Woche Später änderte sich aber schon alles. Ich musste in Quarantäne, da ich Kontakt zu einer coronapositiven Person hatte. Was danach folgte ist bekannt. Nach einigen Wochen des Wartens, zeichnete sich ab, dass die Situation speziell in Südafrika nicht sonderlichen besser werden würde. Da durch die Nachrichten aber bereits wieder gute Meldungen aus Island zu vernehmen waren, schielten wir immer wieder auf die Flugpläne der Fluggesellschaften, wann sie wieder Island anfliegen würden. Als die Lufthansa dann den Flugbetrieb wieder aufnahm, buchten wir kurzerhand zwei Wochen Island. Dieses Mal wollten wir dann auch einmal komplett um die gesamte Insel fahren und möglichst noch die Westfjorde mitnehmen.
Die Einreisebestimmungen sahen in Island bei Ankunft einen Coronatest vor. Bis das Ergebnis vorlag, musste man sich in häusliche Quarantäne begeben. Danach konnte man sich frei bewegen. Da in Deutschland die Zahlen weiter rückläufig waren, wurden die Testanforderung für Deutsche dann zwei Tage vor unserer Anreise gekippt. Wir konnten also ganz normal einreisen.
Nachdem wir beim letzten Mal einen Kleinwagen gemietet und die Erfahrung gemacht hatten, dass ein Allradler auf manchen Straßen schon komfortabler war, hatten wir dieses Mal einen Dacia Duster. Der war mit vier Personen + Gepäck und unserer Kamerausrüstung dann auch bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. 😀



Da wir ursprünglich von einer kurzen Quarantänezeit ausgingen, übernachteten wir die ersten beiden Nächte in der Nähe von Selfoss, um dort unser Testergebnis abzuwarten, das wir dann gar nicht brauchten. Wir übernachteten in einem schönen kleinen Holzhaus auf einer Pferdefarm, deren Aussehen schon etwas von den typisch amerikanischen Farmen hatte. Cora und ich kannten Selfoss, Die Reykjanes-Halbinsel und den Golden Circle bereits vom Vorjahr. Wir nutzten dann aber den ersten Tag, um unseren uns begleitenden Freunden hier die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. So ging es zunächst die Südküste entlang bis zum Hópsnesviti-Leuchtturm bei Grindavík. Von dort mit Zwischenhalt an der Steilküste, die wir im letzten Jahr aufgrund des nicht geländegängigen Autos nicht besuchen konnten, entlang ging es zur Strandakirkja und wieder zurück zur Unterkunft. Nach dem Abendessen vom zur Unterkunft gehörenden Grill sowie einem Bad im hauseigenen Whirlpool besuchten wir dann den Vulkankrater Kerið, Geysir und den Wasserfall Gullfoss.






Am nächsten Tag brachen wir dann zum eigentliche Roadtrip rund um die Insel auf. Erste Station war der Þingvellir Nationalpark mit seinen Felsspalten, die durch das Auseinandertriften der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten entstehen. Von dort entschieden wir uns spontan nicht die normale Route in Richtung Snæfellsnes zu nehmen, sondern ein Stück durchs Hochland zu fahren. Auch wenn wir nur einen kleinen Rand des Hochlands passierten, war die Weite der Landschaft hier schon sehr beeindruckend. Der Plan war zur Mittagszeit in Borgarnes zu sein und dort in der Pizzeria La Colina zu Mittag zu essen. Diese kannten wir ebenfalls bereits aus dem Vorjahr. Als wir ankamen, war sie allerdings noch geschlossen, sodass noch etwas Zeit zum Einkaufen blieb.








Nach der Stärkung fuhren wir anschließend weiter in Richtung Snæfellsnes. Hier wollten wir am Abend in Grundarfjörður mit Blick auf den Kirkjufell übernachten. Auf dem Weg dorthin fanden wir zufällig noch einen anderen, unbekannteren Wasserfall, der aber durchaus auch zu beeindrucken wusste. Nachdem wir in Grundarfjörður angekommen wären, machten wir uns direkt auf, die Halbinsel Snæfellsnes zu erkunden. Vom Kirkjufell ging es zunächst die Nordküste entlang bis nach Hellisandur und von dort in den Süden zum schwarzen Strand von Djúpalónssandur und den schroffen Felsformationen von Lóndrangar. Im Fischerdorf Arnarstapi ruhten wir uns dann in einem netten Kaffe erst einmal aus. Auf dem Rückweg zum Auto am Hafen wurden wir dann von wild gewordenen Küstenseeschwalben attackiert, die im Sturzflug einzelnen auf unsere Köpfe heruntergeschossen kamen. Offensichtlich führte die Hauptstraße des Ortes, auf der wir unterwegs waren, durch ihr Brutgebiet oder zumindest sehr nahe daran vorbei. Das war schon ein Erlebnis der anderen Art und wir waren froh, als wir wohlbehalten wieder im sicheren Auto waren.







Am nächsten Morgen schauten wir uns noch das schöne Örtchen Stykkishólmur an und füllten unsere Vorräte im Supermarkt auf. Denn der nächste Teil unserer Strecke wies nicht wirklich viel Zivilisation auf. Immer entlang der Küste und mit schönem Meerblick fuhren wir nun westlich in Richtung Landesinnere. Hier machten wir auch zum ersten Mal richtige Bekanntschaft mit den berühmt berüchtigten Schotterstraßen Islands. Sehr grober Schotter und viele Schlaglöcher verlangten ein vorsichtiges und langsames Fahren. So blieb mehr Zeit die Landschaft zu genießen. Unsere Unterkunft für diesen Abend war dann auch sehr idyllisch ein kleines Häuschen mitten im buchstäblichen Nirgendwo. Seit Stunden waren wir durch keinen Ort mehr gefahren und auch rundherum waren nur Felder und vereinzelte Häuser zu sehen. Nach einer ruhigen Nacht am nächsten Morgen dann der Schreck: Als wir das Auto zur Weiterfahrt packen wollten, stellten wir fest, dass einer unserer Reifen platt war. Also hieß es nun, Hand anlegen und den Reifen durch das zum Glück vorhandenen Ersatzrad zu ersetzen. Es war aber klar: Damit können wir nicht in die Westfjorde fahren, wo die Straßen noch schlechter sein sollten und es kaum Infrastruktur gab. Aber auch hier waren wir ja im Nirgendwo und wussten nicht, wie das nun mit einem neuen Reifen für den Mietwagen vonstatten ging. Zum Glück half uns die Autovermietung aber mit einer Werkstatt im nächsten, sehr kleinen Ort Búðardalur weiter. Nach kurzem Zweifel, ob es in diesem Nest wirklich eine Autowerkstatt gab, fanden wir sie glücklicherweise. Aber: Sie machten gerade Mittagspause. Mit der Zeit im Nacken warteten wir also eine Stunde und bekamen dann ohne Probleme direkt einen vollwertigen Reifen verkauft und wir konnten endlich unsere Fahrt in die Westfjorde fortsetzen.

Entlang der Südküste der Westfjorde ging es über staubige Schotterstraßen – entweder entlang der Fjorde oder über die Berge dazwischen – zu unserem nächsten Etappenziel Patreksfjörður. Nachdem wir unsere Unterkunft bezogen hatten, machten wir uns wie so oft für den Abend noch einmal auf den Weg die Gegend zu erkunden. Am Anfang des gleichnamigen Fjords Patreksfjörður befindet sich ein auf Grund gesetztes Schiff als Sehenswürdigkeit der Gegend. Dieses wollten wir unbedingt sehen, dass wir es von Fotos her als sehr imposant empfanden. Bei der Garðar BA 64 handelt es sich um das älteste Stahlschiff Islands, welches ursprünglich in Norwegen erbaut und nach seiner Nutzung in Island 1981 außer Betrieb gesetzt wurde. Anstatt es wie zu damaliger Zeit üblich zu versenken, wurde es am Strand auf Grund gesetzt und rostet dort nun als Sehenswürdigkeit vor sich hin.







Folgt man dem Weg zum Schiff nun weiter gen Westen, kommt man zum Látrabjarg, dem westlichsten Punkt Islands und einem der besten Puffen-Felsen der gesamten Insel. Da wir die possierlichen Tierchen im Jahr zuvor nur es der Ferne sehen konnten, wollten wir in diesem Jahr etwas näher ran. Der Látrabjarg ist dafür tatsächlich ein sehr guter und auch noch fotogener Platz. Zwar muss man aufpassen, vom starken Wind dort nicht umgepustet zu werden, jedoch ist der Blick auf die steilen Küstenfelsen und das stahlblaue Meer mehr als beeindruckend. Da wir gegen Abend dort waren, belohnte uns dann auch noch die Sonne mit einem schönen Untergang und bestem Licht. Ein wirklich perfekter Ort, den ich mir bereits im Vorfeld ausgesucht hatte, um Cora einen Heiratsantrag zu machen. Zwischen überwältigender Landschaft, hunderten von Puffins, die zum Greifen nah an den Felsen saßen oder zwischen unseren Füßen watschelten, fasste ich mir dann ein Herz und stellte die Fragen der Fragen. Glücklicherweise bekam ich ein “ja” als Antwort. Somit ist dies nun ein unvergessener Ort auf unserer Lieblingsinsel Island.








Entlang malerischer Fjorde und über imposante Felswüsten der umstehenden Berge ging es am nächsten Tag weiter in die größte Stadt der Westfjorde, Ísafjörður. Die Rauheit dieser abgeschiedenen Gegend wird einem bei jedem Schritt und gefahrenen Kilometer deutlich. Da es kaum Tankstellen gibt, achtet auch jeder auf jeden. So wurden wir direkt von besorgten Einheimischen angesprochen, ob wir denn eine Panne hätten und Hilfe bräuchten, als wir kurz mit Warnblinkanlage am Straßenrand hielten, um Fotos zu machen. Mir blieben die Westfjorde als traumhaft schöne Gegend, mit wunderbaren Tiefblicken auf die blauen Fjorde in Erinnerung. Definitiv ein lohnendes Ziel, wenn auch etwas aufwändiger zu erreichen, als wenn man nur eine reine Inselumrundung auf der Ringstraße machen.






In den nächsten zwei Tagen verließen wir die Westfjorde dann wieder in Richtung Ringstraße. Auf dieser sollte es anschließend durch den Norden Islands gehen. Die ersten Sehenswürdigkeiten waren hier der im Wasser stehende Felsen Hvítserkur und der Kolugljúfur Canyon, bevor es weiter nach Blönduós ging, wo wir wieder einen Übernachtungsstop hatten. Die nächste Etappe war dann mal nicht ganz so weit, da wir nur bis Akureyri fuhren. Am Nachmittag erkundeten wir vorhin aus die beiden sehr imposanten Wasserfälle Goðafoss und Aldeyjarfoss. Während der Goðafoss direkt an der Ringstraße gelegen und somit leicht zu erreichen ist, muss man zum Aldeyjarfoss ein ganzes Stück ins Landesinnere fahren. Die Straßen sind zwar ebenfalls nicht asphaltiert, aber im Vergleich zu den Westfjorden in besserem Zustand.











Am nächsten Tag hatten wir uns als Highlight eine Whale Watching Tour in Húsavik vorgenommen. Voller Vorfreude zogen wir unsere Wärmeoveralls an und bestiegen den historischen Kutter, um damit rauszufahren. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen erzählte uns die Guide noch, dass an diesem Tag ein sehr moderater Wellengang sei. Kurz danach sollte sich jedoch für uns herausstellen, dass zumindest Cora und ich selbst diesem nicht gewachsen waren. Cora musste sich bereits kurz nach dem Hafen in den hinteren Teil des Schiffes verziehen, weil ihr so schlecht wurde. Ich wollte jedoch unbedingt einen Wal sehen und auch fotografieren. Daher stieg ich auf die Aussichtsplattform auf dem Führerhaus des Schiffes und hielt, die Kamera im Anschlag, Ausschau nach den Riesen des Meeres. Glücklicherweise konnte ich noch kurz einen Wal erspähen und teilweise fotografieren, bevor auch mich mit Wucht die Übelkeit überkam. Schnellstmöglich packte ich die Kamera weg und beeilte mich von der Aussichtsplattform zu kommen, da ich fürchtete mich zu erbrechen, was sich zwangsläufig auf andere Mitreisende an Deck unter mir ergossen hätte. Ich eilte also ebenfalls ans Heck, setzte mich zu Cora und den anderen Seekranken, hielt für den Rest der Fahrt (es waren noch 2 Stunden) die Bootsfahne am Heck umklammert (natürlich nur, damit diese nicht wegflog) und fütterte die Fische. Noch nie in meinem Leben war mir so schlecht, wie in dieser Situation. Mein Körper rebellierte dermaßen, dass ich meinen Wärmeanzug öffnen musste, weil ich Wind und niedrigen Temperaturen schwitzte, als wäre ich in der Sauna. Nach dem wir endlich den rettenden Hafen erreich hatten, erholte sich mein Magen zum Glück schnell wieder, sodass ich die Besichtigung des Ásbyrgi-Canyons sowie der Wasserfälle Hafragilsfoss und Dettifoss genießen konnte, bevor wir am Abend in unsere Unterkunft in der Nähe des Myvatn kamen.




Weiter auf dem Weg in den Osten Islands besuchten wir die Thermalfelder Hverir, den Stuðlagil Canyon und den Hengifoss mit seinen vielen unterschiedlich farbigen Gesteinsschichten. Von Egilsstaðir aus besuchten wir außerdem Borgarfjarðarhöfn, einen weiteren hervorragenden Puffen-Felsen, sowie das Städtchen Seyðisfjörður, wo jeder zum ersten Mal isländischen Boden betritt, der mit der Fähre anreist. Außer diesem Fjord ließen wir den restlichen Teil der Ostfjorde in diesem Jahr aus. Bei unserer Reise im darauffolgenden Jahr besuchten wir sie dann im Herbst. Wenn auch kleiner als die Westfjorde, wussten jedoch auch die Ostfjorde zu begeistern.








Als nächster Stop durfte natürlich Stokksnes nicht fehlen. Ebenfalls einer dieser einmaligen, wunderbaren Orte in Island, den man nicht mehr vergisst. Der endlose schwarze Strand mit den dahinter aufragenden zackigen Felsen ist jedes Mal wieder sehenswert. Entsprechend durfte er auch auf keiner unserer bisherigen Islandreisen fehlen. Dieses Mal hatten wir jedoch etwas Pech mit dem Wetter. Leider hingen die Wolken sehr niedrig, sodass von den Felszacken des Vestrahorns nicht viel zu sehen war. An diesem Abend übernachteten wir in einer Pension auf einem Pferdehof. Die Besitzerin, eine Isländerin, war mit einem Österreicher verheiratet und hatte eine zeitlang in Hamburg gelebt. Sie hatte einiges zu erzählen, zum Beispiel über die Vulkane, wie diese überwacht werden und was passiert, wenn einer ausbrechen sollte. Tatsächlich wartete man dort auch auf den nächsten Ausbruch eines nahegelegenen Vulkans. Über Nacht zog ein starker Sturm auf, sodass am nächsten Morgen alle Straßen in Richtung Süden gesperrt waren. Wir saßen also fest und mussten zunächst warten, bis sich er Sturm beruhigt hatte. Hier muss man wissen, dass ein starker Sturm in Island nichts mit einem starken Sturm hier bei uns in Deutschland zu tun hat. Das ist dagegen ein laues Lüftchen. Man ist also gut beraten, um Haus zu bleiben. Als wir denn gegen Mittag wieder weiter fahren konnten, besuchten wir zunächst die Gletscherlagune Jökulsárlón, die wir unseren Freunden unbedingt zeigen wollten. Leider war es noch immer sehr windig und regnet stark, sodass wir hier nur kurz hielten und anschließend weiter in Richtung Vík fuhren.




Dort im Süden besuchten wir die Fjaðrárgljúfur-Schlucht, den schwarzen Strand Reynisfjara, den Leuchtturm auf Dyrhólaey, die Gletscherausläufer des Sólheimajökull und das DC3-Flugzeugwrack. Als Abschluss der Rundreise nahmen wir auf dem Weg zum Flughafen dann noch die Wasserfälle Skógafoss, Kvernufoss, Gljúfrabúi und Seljalandsfoss mit.









Diese Rundreise in Island war bisher unser längster Besuch auf der Insel. Neben vielen Eindrücken genossen wir vor allem die überschaubare Anzahl der anwesenden Touristen, da wegen der Corona-Pandemie nicht viele Länder reisen durften. Wenn ihr wissen wollt, was wir im Jahr vorher erlebt haben, dann schaut mal hier und hier.


